December 12, 2018

Lingen: Ursachenklärung des Laborbrandes bei der ANF dauert an

12. Dezember 2018

Die Untersuchungen zu den Ursachen des Laborbrands am 6. Dezember 2018 bei der Advanced Nuclear Fuels (ANF) in Lingen sind noch nicht abgeschlossen. Zu den Einzelheiten und möglicher Ursache hat die niedersächsische Atomaufsichtsbehörde gestern Nachmittag im Rahmen einer Sondersitzung des Umweltausschusses des niedersächsischen Landtags unterrichtet.

Dieses Vorgehen war mit der Behörde abgestimmt und findet die volle Unterstützung der ANF. Erklärtes Ziel war es sicherzustellen, dass die erste Informationsweitergabe über die mögliche Ursache des Brandes im Rahmen der gestrigen Unterrichtung des Umweltausschusses des Landtags ausschließlich durch die Behörde erfolgt. Die Hoheit über die Ursachenermittlung hat das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (NMU), ANF unterstützt die andauernden Untersuchungen vollumfänglich.

Bei ANF hat die Sicherheit der Mitarbeiter, der Bevölkerung und der Umwelt höchste Priorität. Der sorgfältigen und vollständigen Ursachenklärung und der Umsetzung erforderlicher, vorbeugender Maßnahmen wird daher sehr große Bedeutung beigemessen.

Der aktuelle Sachstand stellt sich wie folgt dar: Ein Laborgerät hat gebrannt. Es handelte sich dabei um einen Flüssigkeitsverdampfer. Ein solcher Verdampfer dient dazu, wässrige, nicht brennbare Lösungen, die beim Betrieb des Labors anfallen, zu verdampfen. Dies ist in vielen Industrien ein gängiges Verfahren, um in Laboren Reststoffe zu behandeln. Der Flüssigkeitsverdampfer hat eine Größe von ca. 2 m x 3 m x 1 m (H x B x T). Beim Eintreffen der Einsatzkräfte hat ein Teil des Laborgerätes in der Größe von 40 cm x 40 cm gebrannt. Zum Zeitpunkt des Brandes befanden sich auch geringe Mengen Uran im Laborverdampfer. Es kam allerdings zu keiner Freisetzung von radioaktiven Stoffen in die Umwelt. Dies wird durch die durchgeführten Messungen bestätigt. Der betroffene Laborraum befindet sich im nuklearen Fertigungsgebäude, ist allerdings räumlich getrennt von der nuklearen Fertigung.

ANF geht nach jetzigem Kenntnisstand davon aus, dass Natronlauge auf ein Aluminiumprofil gelangt ist. Hierbei entsteht Wasserstoff, der wahrscheinlich zu einer Verpuffung geführt hat und dann den Brand des Laborgeräts verursacht hat. Durch Rauch und Ruß wurden auch anliegende Räume verschmutzt. Zusätzlich hat der Löscheinsatz mit Handfeuerlöschern zu einer starken, sichtbaren Beschädigung des Laborraums geführt. Nach Abschluss der Untersuchungen wird das NMU als zuständige Aufsichtsbehörde über die Ursachen des Brandes Bericht erstatten.


ANF in Lingen

Die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) mit Sitz in Lingen, Deutschland, ist ein Tochterunternehmen der Framatome GmbH. ANF ist Bestandteil des weltweit führenden Kerntechnik-Unternehmens Framatome SAS, Paris, welches zur EDF Gruppe gehört. ANF fertigt Brennelemente, Zwischenprodukte und Brennelementkomponenten für Kernkraftwerke im Auftrag der Framatome für den europäischen und weltweiten Markt und dient so der Versorgung von Kernkraftwerken mit Kernbrennstoff.

Mit 309 Mitarbeitern werden in der Betriebsstätte Lingen Brennelemente für Druck- und Siedewasserreaktoren, wie auch Spezialprodukte im Pulver- und Tablettenbereich gefertigt. Der Standort hat in letzter Zeit zudem Aufträge für den Um- und Auseinanderbau von noch nicht eingesetzten Brennelementen erhalten und trägt damit zur Kernbrennstoff-Freiheit in abgeschalteten deutschen Kernkraftwerken bei. Besondere Kompetenzen in der Entwicklung und dem Bau von Fertigungstechnologien bilden ein weiteres Standbein und sorgen für eine hohe Fertigungsqualität und damit für Sicherheit in Kernkraftwerken auch außerhalb Deutschlands. ANF sorgt für Aus- und Weiterbildung von Experten für den Strahlenschutz und weiterem kerntechnischem Fachpersonal.